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25.06.11

die glitschige Pille

...wahrlich ohne Schokoüberzug, bleibt den Griechen um dem Bankrott zu entgehen. Vielleicht gelingt es, wenn nicht, dann haben die jungen Griechen die verheerenden Folgen zu tragen, eine wirtschaftliche Talfahrt bedeutet vor allem schmale Kasse für Ausbildungsplätze und Schulen. Somit trifft es die durch und durch Schuldlosen, die wahren Sündenböcke, sitzen in den eigenen Reihen ganz oben.Gemeint ist jene politische und wirtschaftliche Elite, die über Generationen vom Korruptionssumpf  am meisten profitiert hat. Die ausländischen Geldgeber, sprich Banken, überall in Europa zu finden, haben Misswirtschaft und Verschwendung über Jahre großzügig mit Krediten unterstützt und selbst große Geschäfte getätigt. Die haarsträubenden Fehler und Versäumnisse werden jetzt guten Gewissens auf den einfachen Mann abgewälzt.

15.04.11

Zerreißprobe

Ein historischer Umbruch ist im Gange, unmittelbar vor  der Haustür Europas. Die staunende Zuschauerrolle hat die westliche Welt nach einer lethargischen  Schockphase  abgelegt und findet sich mehr oder weniger geschlossen in einem heftigen Waffengang – sprich Krieg – gegen den ehemals heiß umworbenen und jetzt geschassten libyschen Diktator wieder. Die verzweifelten Hilferufe der bedrängten Rebellen rechtfertigen noch den Einsatz von Bomben und Raketen, können aber letztendlich nicht über eine Reihe von handfesten Interessen der Industriestaaten hinwegtäuschen, die unterschiedlicher nicht sein können, aber durchaus auf einige gemeinsame Nenner reduzierbar sind. Ganz vorne stehen die wirtschaftlichen Interessen, gemeint sind die gewaltigen Erdöl- und Gasvorkommen, die vor allem von westlichen Firmen erschlossen werden.  Indes sind die Aktionen und Reaktionen der westlichen Gemeinschaft nach langem Zögern einem aufgescheuchten Hühnerhaufen nicht unähnlich. Ausgerechnet der angebliche Kern Europas, Frankreich und Deutschland, entzweit sich in seiner Grundhaltung. Sarkozy schreitet mit breiter Brust in die Schlacht, um Boden bei seinen Wählern gutzumachen, die nach Rechts abdriften. Merkel und ihr Außenminister pflegen die hohe Tugend der Zurückhaltung, schrecken vor einem neuen Kriegsschauplatz zurück. Ebenso scheuen die USA eine zusätzliche  Konfrontation, engagieren sich lieber als Aus- und Aufrüster der “Guten” und entsenden ihre Spione, die wichtige Informationen über die laufenden Entwicklung und die zukünftigen Machtverhältnisse liefern. Russland wettert in Person von Putin von einem unerhörten Kreuzzug gegen die arabische Welt und sieht somit die Felle endgültig davon schwimmen, hat es doch einige Milliarden Euro in Libyen investiert.

ausscheren

13.01.10

integrazione made in Italy (Europe)

Orangenrevolution oder die Revolte der Orangenplücker, allesamt aus Afrika, gestrandet im Süden Italiens und auf dem Weg nach Europa, in ein besseres Leben. Sie lehnen sich auf. Nicht etwa gegen die Bezahlung von 20 Euro pro Tag und Nase für das Orangenauflesen, weder gegen die Unterbringung in aufgelassenen Fabrikhallen und in selbst errichteten Kartonhütten, ohne hygienische Vorrichtungen (Toiletten Fehlanzeige, ein Wasserhahn für Hunderte), auch nicht gegen die harten Arbeitsbedingungen. Nein, das haben sie alles in Kauf genommen, sie wehrten sich gegen einen Angriff von Unbekannten, die auf sie geschossen hatten (man vermutet N'Dranghetisti, weil die Orangenpflücker den erpressten Anteil ihres Lohnes entweder überhaupt nicht oder nur teilweise abgegeben hatten). Es kam zu einer hitzigen Demonstration vor Ort, zu Sachbeschädigungen, im Gegenzug wurden sie von den Bewohnern des Ortes attackiert, glücklicherweise kam niemand ernsthaft zu Schaden. Dann kam der große Auftritt der Polizei, die wahrlich Mut und Stärke zeigte. Der Aufstand wurde erfolgreich niedergeknüppelt, Bagger haben die Fabrikhallen und Kartonhütten zermalmt, die Aufständischen wurden in ein Centro di accoglienza verfrachtet, in ein Flüchtlingsauffanglager. Dort sind sie für's Erste aufgefangen und werden höchstwarscheinlich zurückgeschickt um das nächste Schiff zu nehmen. Sie wissen, dass sie gebraucht werden in Europa, wer pflückt sie denn noch die Orangen, um diesen Preis.

14.07.09

Kapazitätstest


Vor allem Rentabilität und Kapazität (unter anderem) sind die offenen Fragen rund um das Nabucco-Pipeline-Projekt.
Die Kosten waren einmal bei knapp 5 Mrd. veranschlagt. Das war einmal, in der Zwischenzeit im Laufe von ein paar Jahren, haben sie sich nahezu verdoppelt, zusätzliche Leitungen nach Aserbaidschan und ev. Iran nicht einkalkuliert.
Könnte man über die leidige Geldfrage hinwegsehen,wenn eine Rentabilität absehbar wäre?
Man könnte. Nur, das Konsortium weiß ebenso wenig wie gar nicht, wer am anderen Ende der Leitung Gas einspeisen wird. Vorerst begnügt es sich damit, eine Leitung in die Richtung der Gasfelder zu legen, das Weitere wird sich schon richten.

22.12.08

Diplomatisches Ungeschick

Diplomatic skills/strage diplomatica

Kalte Füße

Cold feet/piedi ghiacciati

Willkommen an Bord, in ein bis zwei Jahren sind wir wieder draußen.

 

Welcome aboard or we'll be free again in one or two years' time/Benvenuta a bordo, tanto usciremo tra un o due anni
Die Rezessionswelle rollt gnadenlos über die Vereinigten Staaten von Amerika. ausgelöst von einer beipiellosen Immobilienblase, aufgeblähten Bankinstituten, einer schwindelerregenden Auslandsverschuldung mit dem Großgläubiger China und zu allem Überfluss noch verstärkt von einer stagnierenden Wirtschaftsleistung. Der Rest der Welt (aus amerikanischer Sicht) ist mit der wirtschaftlichen Supermacht engstens verzahnt, ein morgendliches amerikanisches Bauchdrücken, wächst sich bis zum Abend weltweit zu einem Magen- Darminfekt aus. Und so wartet Europa, zur Abwechslung in Not geeint, auf hereinbrechendes Unheil, das langsam vom Westen her heraufdämmert. Bangend schaut der Europäer senilen Auges auf die grassierende Massenarbeitslosigkeit in Amerika, zuckt gefasst erschrocken  beim Zusammenkrachen ganzer Bankinstitute; stellt konsterniert fest, dass schmucke Vorstädtchen, von schnellreichen Amerikanern aus dem Boden gestampft, jetzt verlassen vermodern und die ehemals stolzen Besitzer nun in Zeltstädten hausen müssen. Der Fahrstuhl nach unten ist in Amerika zum Bersten gefüllt. Das Herz des Europäers krampft sich hasenfüßig zusammen, angesichts dieser Tragik. Tragik??? Vermag amerikanischen Uroptimismus nicht zu brechen. Im Gegenteil: Ein Abstieg beflügelt, setzt frische Kräfte frei, die nach oben drängen, frei vom Ballast des Alten und offensichtlich Unnützen. Wer tief fällt, kann wieder hoch steigen, die Umkehrung einer europäischen Volksweisheit: Wer hoch fliegt, fällt tief.

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