15.04.11

Zerreißprobe

Ein historischer Umbruch ist im Gange, unmittelbar vor  der Haustür Europas. Die staunende Zuschauerrolle hat die westliche Welt nach einer lethargischen  Schockphase  abgelegt und findet sich mehr oder weniger geschlossen in einem heftigen Waffengang – sprich Krieg – gegen den ehemals heiß umworbenen und jetzt geschassten libyschen Diktator wieder. Die verzweifelten Hilferufe der bedrängten Rebellen rechtfertigen noch den Einsatz von Bomben und Raketen, können aber letztendlich nicht über eine Reihe von handfesten Interessen der Industriestaaten hinwegtäuschen, die unterschiedlicher nicht sein können, aber durchaus auf einige gemeinsame Nenner reduzierbar sind. Ganz vorne stehen die wirtschaftlichen Interessen, gemeint sind die gewaltigen Erdöl- und Gasvorkommen, die vor allem von westlichen Firmen erschlossen werden.  Indes sind die Aktionen und Reaktionen der westlichen Gemeinschaft nach langem Zögern einem aufgescheuchten Hühnerhaufen nicht unähnlich. Ausgerechnet der angebliche Kern Europas, Frankreich und Deutschland, entzweit sich in seiner Grundhaltung. Sarkozy schreitet mit breiter Brust in die Schlacht, um Boden bei seinen Wählern gutzumachen, die nach Rechts abdriften. Merkel und ihr Außenminister pflegen die hohe Tugend der Zurückhaltung, schrecken vor einem neuen Kriegsschauplatz zurück. Ebenso scheuen die USA eine zusätzliche  Konfrontation, engagieren sich lieber als Aus- und Aufrüster der “Guten” und entsenden ihre Spione, die wichtige Informationen über die laufenden Entwicklung und die zukünftigen Machtverhältnisse liefern. Russland wettert in Person von Putin von einem unerhörten Kreuzzug gegen die arabische Welt und sieht somit die Felle endgültig davon schwimmen, hat es doch einige Milliarden Euro in Libyen investiert.

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